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This is the end

Live: Enter Shikari, Lost Alone
12.10.2007 // Flex, Wien


Nun sollte ich also zum dritten Mal Enter Shikari live erleben. Aber als ich im Flex ankam, spielte erst einmal die Vorband Lost Alone, drei junge Männer in Schwarz, die eine Art Emorock spielten. Die Musik war nicht schlecht, der Gesang mir persönlich aber zu soft, es kam auch generell nicht viel Stimmung auf.
Nur kurz danach, ohne Soundcheck und viel Umbauarbeiten, betraten Enter Shikari die Bühne, wie gewohnt mit ihrer Aufforderung an das Publikum zum "Shit!"-Schreien, was dann den ersten Song, Enter Shikari, einläutete.

Es war also leicht zu erwarten, dass sich dieses Konzert nicht sonderlich von den vorigen unterscheiden würde, vor allem ob der Tatsache, dass die Band erst ein Album auf den Markt gebracht hat. Teilweise stimmte das auch, andererseits war dieser Schluss auch wieder weit gefehlt. Dieses Mal wurden nämlich, im Gegensatz zu den letzten Konzerten (auch Headliner-Gigs) sämtliche Lieder des ersten Albums gespielt, mit Ausnahme von Today Won't Go Down In History (worüber ich sehr froh war) - also auch die Ballade Adieu, die durch Sänger Rous oftmals krächzende Stimme leider etwas verhunzt wurde, obwohl er auch wieder zeigte, dass er es eigentlich besser könnte. Zusätzlich gab es einen Haufen B-Seiten, beispielsweise das schon länger bekannte The Feast, Kicking Back On the Surface of Your Cheek und zum allerersten Mal überhaupt live Acid Nation.
Als wäre das nicht schon genug der Abwechslung, funktionierte dann auf einmal Chris' Bassgitarre nicht und als Zwischenspiel wurde spontan ein zusätzlicher Rave eingebaut, der die ohnehin schon halb durchdrehende Menge erneut anheizte. Das war dann wohl auch der Grund für mich, kurz nach hintern zur Bar zu gehen und mir ein Mineral zu genehmigen, da mir vor lauter Tanzen in der verschwizten Masse schon schwarz vor den Augen wurde. Mothership + altbekannten Remix konnte ich also nur von hinten verfolgen, für die letzten beiden Lieder und das Outro ging es dann wieder nach vorne, was überraschend einfach ging.

Mit geschätzten 1 1/2 Stunden Spielzeit war das Konzert also erneut ein voller Erfolg, das mich erneut hat wissen lassen, dass Enter Shikari immer noch nicht des Live-Spielens müde werden und mit genau so viel Energie an die Sache heran gehen wie vor einem halben Jahr. Zu den von Rou geforderten 50 Stagedives kam es vielleicht nicht ganz, so um die 30 waren aber schon drin. Wenn man die 5 Stück einzelner Bandmitglieder hinzuzählt.

Setliste
01 | Enter Shikari
02 | The Feast
03 | Labyrinth
04 | Anything Can Happen in the Next Half Hour
05 | Rave
06 | Return To Energizer
07 | Kicking Back On the Surface of Your Cheek
08 | Acid Nation
09 | No Sssweat
10 | Adieu
11 | Jonny Sniper
12 | Rave
13 | Mothermix
14 | Mothership
15 | Sorry You're Not A Remix
16 | Sorry You're Not A Winner
17 | Ok, Time for Plan B
18 | Outro
15.10.07 20:03


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The State of Berlin vs. Fear Before

Live: The End, Fear Before the March of Flames, Heavy Heavy Low Low
27.08.2007 // Kato, Berlin

Alleine Konzerte zu besuchen ist irgendwie blöde, so viel schon mal vorneweg. Aber da niemand mit mir mitgehen wollte, ging ich an diesem Abend also alleine ins Berliner Kato, wo mir nach dem Eintritt schon gleich der Merchandise-Stand entgegenlachte. Also glatt mal ein Fear-Before-Shirt und die limitierte Tour-EP gekauft, zusammen 15€. Sehr fairer Preis.

Nach einiger Zeit des Wartens kamen dann Heavy Heavy Low Low auf die Bühne, die ordentlich abgingen, sowohl vom Musikalischen, als auch von der Performance her. Lediglich der Sänger stand die meiste Zeit nur schnurgerade mit halb geschlossenen Augen vor der Bühne und bewegte seine Arme zum Takt der Musik, was wegen seiner Mischung aus zerbrechlich-verzweifeltem und emotional-aggressivenm Gesang jedoch sehr gut passt. Das Ganze gab der Bühnenpräsentation jedenfalls einen einzigartigen Touch, da die meisten Hardcore-Sänger ja meist wie wild über die Bretter tanzen und sich vor lauter Geschrei kaum halten können.
Das Publikum war weniger motiviert, was ich insofern verstehen kann, als die Band wirklich nicht bekannt ist, sie andererseits aber echt aufreißende Musik spielte. Lediglich ein offensichtlicher Die-Hard-Fan rannte die ganze Zeit vor der Bühne herum und sprang auch zwei Mal auf dieselbe, um sich das Mikro zu schnappen und eine Textzeile hineinzubrüllen.
Nach ca. einer halben Stunde war auch schon wieder Schluss, was bestimmt auch daran lag, dass kaum ein Lied der Band länger als 2 Minuten ist. Sehr schade, wie ich fand, aber immerhin wurde das Publikum ziemlich rasch mit der nächsten Band, Fear Before the March of Flames, vertröstet.

Als erstes fiel bei den fünf Jungs aus Colorado das fehlende Keyboard auf. Nicht, dass dessen Klänge ein essentieller Teil der Musik wären, aber für manche Stücke ist es eben doch von Nöten - zumal ich genügend Konzertaufnahmen kenne, wo ein solches verwendet wird.
Nun ja, ohne Keyboard und dafür mit sitzendem (weil verletztem) Bassisten ging dann die Show los, die in Intensität und Überzeugungskraft dem Schauspiel von Heavy Heavy Low Low in nichts nachstand. Auch Sänger Dave Marion scheint sich von seinen Zeiten als Bühnenhitzkopf etwas entfernt zu haben und setzte mehr auf anmutige bis absurd wirkende Gestiken, die teilweise zur Musik passten, manchmal aber auch einfach nur aufgesetzt wirkten.
Die Songauswahl war jedenfalls gut - wie zu erwarten wurde viel vom grandiosen neuen Album gespielt (welches nun auch nicht mehr ganz so neu ist), dazu Klassiker wie Should Have Stayed in the Shallows oder Fashion Tips, Baby. Sehr schade war aber der Verzicht auf Drowning the Old Hag (was die Menge vielleicht zu etwas mehr Elan gebracht hätte) oder auf das High As A Horse-Outro Dog Sized Bird, dessen Fehlen aufgrund der fehlenden Synthie-Sounds jedoch verständlich war.

Nach rund 40 Minuten war es auch schon wieder vorbei, dieses Mal dauerte der Umbau jedoch etwas länger, da das Equipment von Fear Before und The End sich offenbar grundunterschied, obwohl an Innovation nur eine einzelne Tom Tom für den Sänger bereitgestellt wurde.
Auch die kanadischen The End überzeugten mit ihrer Show, die, im Gegensatz zu den Bands vor ihnen, mehr auf progressive Metalcore-Klänge setzte, was aber keinesfalls negativ gewertet werden sollte. Besonders Vokalist Aaron Wolff gab am Mikro und an erwähnter Tom Tom alles, und unterstrich die teils harten, teils melodischen Klänge sehr gut, trotz einiger soundtechnischer Pannen.

All das konnte das Publikum aber erneut nicht wirklich zu Euphorie bewegen, was seitens der Band auch durchaus angemerkt wurde, jedoch dieses Mal wohl auch daran lag, dass nach Fear Before mehr als die Hälfte der Anwesenden das Weite suchte. Schade eigentlich, denn obwohl ich immer noch die Hardcore-Schiene der beiden ersten Bands den Kanadiern vorziehe, war auch dieses Konzert ein Erlebnis, das ich nicht missen möchte.

Eine Bewertung erspare ich mir ausnahmsweise, bei drei Bands (wovon ich anno dazumal nur eine kannte) wäre das mehr erzwungen als ehrlich.
19.9.07 03:39


Sky Eats Airplane

Everything Perfect On The Wrong Day
(2006)

Genre: Electricore, Nintendocore

Dass Myspace zum Entdecken neuer Bands wirklich gut geeignet ist, ist gewissermaßen Fakt. Auch wenn - wie könnte es auch anders sein - dort ebenso viel Mist vorhaden ist wie im Plattenladen um die Ecke schlechte CDs liegen, findet man doch ab und zu Musik, die wirklich zu was taugt.

So geschehen bei Sky Eat Airplane: Die anhörbaren Tracks auf dem Bandprofil überzeugten mich wirklich, mehr noch, ich fand sie schlichtweg toll. Also musste natürlich auch das Album her, was dann aber doch die Ernüchterung brachte, die man gut auf zwei Punkte zusammenfassen kann:
1. Befinden sich von den 5 Online-Tracks nur zwei auf dem Album. Sehr schade, denn gerade die anderen drei würde ich als die besseren Lieder erachten.
2. Das Album kann in seiner Gesamtheit nicht wirklich überzeugen, und zwar aus folgenden Gründen:

Gerade bei einer jungen Band wie SKA ist es natürlich wichtig, einen überzeugenden Erstling auf den Markt zu bringen. Liveshows hin oder her, letztendlich wird eine Musikgruppe mehr an ihren Studioerzeugnissen gemessen als an sonst was. Hier kommt aber zusätzlich noch die Schwierigkeit hinzu, dass diese Band Musik aus dem Electric- oder Nintendocore-Genre macht. Wichtig hierbei ist hauptsächlich eines: Eine gelungene Fusion zwischen den für die C64-Ära typischen 8-Bit-Sounds und harten Gitarrenriffs, gepaart mit mehr oder weniger aggressivem Gesang, zu finden. Und genau hier schwächelt Everything Perfect On The Wrong Day.
Denn die Lieder klingen oft schlichtweg nicht wie aus einem Guss, mehr wie Fragmente, die zwar hoffnungsvoll gute Melodien beinhalten, aber allesamt ideenlos zusammengepappt wurden, ohne dem Ganzen eine Struktur zu geben. Ein bisschen cleaner Gesang hier, ein paar Elektro-Sounds da, dann wieder ein fettes Riff und geschrieene Vocals zum Drüberstreuen. In seiner Gesamtheit bietet das aber nicht gerade ein Hörvergnügen, was schade ist, da gute Ansätze wie gesagt vorhanden sind und die Jungs aus Texas mit ihren Myspace-only-Liedern auch zeigen, dass sie's eigentlich können.

Das klingt jetzt vielleicht drastischer, als es ist, denn mit Liedern wie Giants in the Ocean oder der Mehr-oder-weniger-Ballade She Is Just Glitch befinden sich durchaus sehr angenehme Stücke auf der Platte. Auch Hones Hitchhikers Asking For Cash Handouts beinhaltet wirklich coole Stellen, ohne Frage. Da die Scheibe insgesamt aber nur 9 Lieder besitzt, wovon drei unter zwei Minuten lang sind und zum Großteil aus sinnlosem Gedudel bestehen, ist das definitiv zu wenig, um die oben beschriebenen Fehler wett zu machen.

Somit lässt sich nur hoffen, dass Sky Eats Airplane bald eine EP mit den Myspace-Songs herausbringen bzw. mehr in dieser Richtung feilen, damit der Nachfolger mehr überzeugen kann als dieses Album.

Tracklist:
01 | By All Means, Captain
02 | Patterns
03 | Hones Hitchhikers Asking For Cash Handouts
04 | Exit Row
05 | Giants in the Ocean
06 | She Is Just A Glitch
07 | The Opposite Viewed in Real Time
08 | Everything Perfect on the Wrong Day
09 | The Messenger

Bewertung: 4 / 10 Punkten
Anspieltipps: Giants in the Ocean, She Is Just A Glitch
Links:
Offizielle Seite
Offizielle MySpace-Präsenz
17.9.07 16:52


Empfehlung der Woche (10.09.2007)


Broken Social Scene: Broken Social Scene
(2005)

Eine so genannte Supergroup ist natürlich immer ein Risiko: Möglicherweise ergänzen sich die teilnehmenden Musiker perfekt, unterstützen sich gegenseitig in ihrem kreativen Schaffen und erzeugen somit einzigartige Kunst. Vielleicht aber auch kommt gar nichts Interessantes zustande, eben weil individuelle Köpfe oft auch eigensinnige Ideen beinhalten, die jeder natürlich so stark wie möglich durchsetzen will.
Bei Broken Social Scene, der kanadischen Band mit theoretisch 20 Mitgliedern, ist glücklicherweise ersteres definitiv der Fall. Auch wenn nicht immer das vollständige Repartoire auf den Alben zu hören ist, sind Namen wie Jason Collett, Emily Haines oder Leslie Feist in der lokalen Szene vertrauenswürdige Namen.

Und so beweisen die siebzehn auf diesem Album vertretenen Musiker was es heißt, fröhliche, stimmungsvolle, aber gleichzeitig experimentelle Musik zu machen. Die fünf, sechs Künstler, die jeweils an einem Song teilnehmen, beweisen ihre offene Zusammenarbeit mehr als gut, wenn bis zu vier Gitarren wie aus einem Guss klingen und das sich darüber legende Saxophon nur noch positiv ergänzt (Schlagzeug und Bass nicht zu vergessen). Dass dabei auch gemäßigte und vielleicht sogar nachdenkliche Lieder herauskommen, ist jedenfalls nicht zu verachten - immerhin soll auch Abwechslung gewährleistet werden. Zwischen rhythmisch flotten Stücken findet sich also auch beschwingt-lockere Musik, die richtig zum Entspannen anregt.

Somit kann man gespannt sein, was die Künstlertruppe mit dem bald erscheinenden "Spirit If..." zuwege bringt. Dieses wurde immerhin nicht von ganz BSS geschrieben, sondern nur von Gründe Kevin Drew, wobei die Gruppe die Stück vorträgt. Hoffentlich mit so viel Leidenschaft und Hingabe wie auf diesem Album.

Anspieltipps: Ibi Dreams of Pavement (A Better Day), Fire Eye'd Boy, Swimmers
10.9.07 12:52



she - Twilight RX

Na, wer erkennt das Album, auf dem das hier aufgebaut ist?
10.9.07 12:25


FM4 Frequency 2007

... And You Will Know Us By the Trail of Dead
Die Jungs haben durchaus eine überzeugende Show hingelegt. Gespielt wurden Lieder aus allen drei Alben, die aber allesamt eine Schwäche aufweisen: Sie sind nicht wirklich Rock-Festival-tauglich. Kein Problem, wenn man gemütlich ihre CDs hört, aber durch den oftmaligen Wechsel zwischen laut/schnell und langsam/leise in ihren Liedern kommt live nicht so richtig Stimmung auf. Eine Ausnahme bilden hier Caterwaul, welches auf jeden Fall aufwühlend ist (was man beim Konzert auch gemerkt hat) oder Naked Sun, das immer auf einer lockeren Ebene bleibt, was ja auch nichts macht. Der Rest wollte aber nicht so richtig zünden, was wie gesagt nicht an der Musik an sich lag, sondern eher an deren Aufbau und der Tatsache, dass ja doch nicht nur Fans vor der Bühne stehen.
Bewertung: 6 / 10 Punkten

Eagles of Death Metal
Wie mir schon von vorne hinein klar war, verstehen es Jesse Hughes und seine Eagles Stimmung zu machen. Mit kessem Frauen-Pop als Intro und Austria-Shirt startete die Truppe durch eine Stunde Rock 'n Roll der alten Schule, natürlich nicht ohne die Menge zwischendurch mit Lobeshymnen anzuheizen - und diese Mischung nahm sie dann auch mit viel Energie auf.
Von der musikalischen Seite blieb die Band altbewährt und spielte alle Hits aus dem Repartoire zweier Longplayer herunter - bis auf den flotten Einsteiger I Only Want You, der seltsamerweise ausgelassen wurde. Dafür ging es bei Cherry Cola, Bad Dream Mama und dem eigentlich lockeren Whorehoppin' (Shit Goddamn) richtig zur Sachen, womit das Livepotential der Band deutlich gemacht wurde.
Bewertung: 10 / 10 Punkten

Fotos
Die Band aus "Hamburg, Köln und Wuppertal" überraschte mit nettem, solidem Deutsch-Indie-Pop. Zum ersten Mal gehört erwartete ich mir nichts Großartiges, wobei es dann auch blieb - gute Stimmung machte die Band trotzdem, weil die Musik zwar nicht innovativ, aber immer noch ansprechend ist. Dabei bewegen sich die Jungs in einer Mischung aus den Sportfreunden Stiller, Bloc Party und einer anspruchsvolleren Variante von Juli - allerdings mit teils ziemlich emotionalen Texten, was sich aber nur zeitweise in der Musik widerspiegelt.
Höhepunkt des Auftritts war sicherlich das Remmidemmi-Cover, welches in einer leicht abgewandelten Form mit Gitarren-Unterstützung natürlich für Party sorgte - auch wenn es stilistisch nicht so ganz zu den sonstigen Fotos passt.
Bewertung: 7 / 10 Punkten

!!!
Ich muss zugeben, nur in etwa die Hälfte des Konzertes mitbekommen zu haben - was mir persönlich aber auch schon gereicht hat. Schlecht war die unaussprechliche Band aus den USA ja nicht, aber für meinen Geschmack etwas zu überdreht, ohne dabei Form zu gewinnen. Ich bin wirklich froh, wenn eine Gruppe mal nicht auf die ewig gleichen Akkord-Riffs und Schlagzeug-Standards zurückgreift und einmal ein wenig aufdreht, aber das Ganze hat keinen Sinn, wenn dabei nichts Hörbares herauskommt. Und diesen Eindruck hatte ich bei !!!, die zeitweise mit bis zu drei Schlagzeugen/Percussion-Instrumenten arbeiteten und ab und an noch eine zusätzliche Sängerin auf die Bühne schickten, die ihren Teil zum Gesamtbild abgab.
Somit war es zwar ein recht interessantes Erlebnis (und die Menge ging auch ziemlich gut ab), aber mitreißen konnte mich dieser wilde Musik-Mix irgendwie nicht, auch wenn es sonst wirklich kein braver Pop-Rock sein muss.
Bewertung: 4 / 10 Punkten

MIA.
Na ja, mit MIA. ist es so eine Sache - ja, die Band hat ihre Hits und weiß sie live auch gekonnt herüberzubringen. Allerdings hatte man oft das Gefühl, man wolle mangelnde musikalische Kompetenz mit einer Bühnenpräsentation kompensieren, was bei einem Live-Auftritt zwar gut ankommt, der zentrale Punkt dabei, die Musik nämlich, dafür etwas außer Acht gelassen wird.
Die Gruppe um Frontfrau "Mieze" (bzw. Mieze Katz) stellte dies, passend zu ihrem aktuellen Album, mit einer Art Zirkusshow an, was Bühnenbild und Gesamtauftritt gut reflektierten. Eine Art Manege wurde aufgebaut, mit Trampolinen, Ringen, Glitter und alles was eben dazu gehört. Zusätzlich präsentierten sich die Bandmitglieder in schicken, weißen Anzügen, um das Flair noch zu verstärken. Die Sängerin hingegen trat zuerst mit weißen Flügeln auf - Kitschalarm-Stufe Rot, aber glücklicherweise "tauschte" sie diese nach kurzer Zeit "gegen unsere Hemmungen". Na ja, der Menge hat's offenbar gefallen, ob nun wegen der lasziven Posen von Mieze oder tatsächlich der gespielten Musik ist eine andere Frage.
Bewertung: 3 / 10 Punkten

Jimmy Eat World
Nun, was lässt sich dazu sagen? Ein musikalisch guter Gig, bei dem alle Hits vertreten waren (wie ein Freund schon sagte sind Festivalauftritte in Bezug auf die Setlist ja meist eine Art "Best of", was hier auch sehr gut gestimmt hat) und nur zwei Dinge störten:
Erstens die Zuseher um mich herum - fast ausnahmslos betrunkene Halbstarke, die provokant eine Art Mauer bildeten und jeden anpöbelten, der sie auch nur im Geringsten beim Rumstehen, Glotzen und Labern störte. Dabei stand ich nicht einmal sonderlich außerhalb der Menge, eher knapp am Rand, wo es anderorts auch ziemlich abging. Die vielen Leute waren aber auch der Grund, weswegen es schwer war, von dort wegzukommen. Wirklich störend.
Zweitens die Band selbst bzw. ihre Motivationslosigkeit - auch wenn sie an den Instrumenten sonst so gut sind, ich erwarte mir bei einem Live-Act vor hunderten von Zusehern ein bisschen mehr Ansehliches auf der Bühne, auch wenn der Sänger an die Gitarre gebunden ist. Die wenigen Worte ans Publikum beliefen sich auf das üblich kurze Blabla, was insofern nicht schlecht ist, als damit die Musik im Vordergrund steht und auch mehr Zeit für Songs übrig bleibt. Dass man aber durchaus beides hätte fusionieren können, zeigten wie beschrieben die Eagles of Death Metal wesentlich besser.
Bewertung: 7/ 10 Punkten

Beatsteaks
Dass es bei der Berliner Truppe ordentlich zuging, konnte man von oben gut beobachten - ich und meine Freundin verfolgten das Konzert nämlich über die Videoleinwände auf einer Anhöhe des Geländes, die leider in die Zukunft blicken konnten, sprich, der Sound kam ca. eine Sekunde später an als der Ton.
Von diesen vom Konzert unabhängigen technischen Differenz abgesehen gab es am Auftritt der Beatsteaks eigentlich kaum was zu bemängeln - nette Musik für zwischendurch, ein bisschen zu viel Show vielleicht (man könnte jetzt denken, dass man es mir nie recht machen kann... das stimmt nicht!), aber in jedem Fall unterhaltend. Der Musikstil ist nun mal nicht unbedingt Meines, somit überlasse ich besser den Beatsteaks-Kennern, ob hier ein ordentliches Produkt abgeliefert wurde oder nicht. Witzig fand ich jedenfalls den im Berliner Dialekt abgehaltenen Ein-Mann-Song über eine verflossene Liebe, der stilistisch so gar nicht ins Programm passte, von den Fans aber dennoch positiv aufgenommen wurde.
Bewertung: - / 10 Punkten

Nine Inch Nails
"17 August 2007: Worst performance and certainly the worst crowd of the whole tour by far."
Und so ganz unrecht hat der liebe Trent da auch nicht, mal abgesehen von der Performance. Die war nämlich gewohnt gut, was man vom Publikum nicht wirklich sagen kann: Pubertierende Ärzte-Fans, die den Wavebreaker belagerten, die "Beste Band der Welt" während der NIN-Gigs anfeuerten und dabei vereinzelt Becher auf die Bühne warfen, wenn sie sich nicht gerade gelangweilt miteinander unterhielten. Ich kann ja verstehen, dass man auf die nächste Band wartet und die aktuelle deswegen nicht gleich toll finden muss, aber dann stellt man sich eben ruhig hin und wartet die Spielzeit ab. So etwas konnte man von vielen der anwesenden DÄ-Fans aber scheinbar nicht erwarten, was dieses Erlebnis für mich um einiges trübte. Ich hatte ja immerhin noch Glück, zwischen ein paar anderen NIN-Fans zu stehen, die sich auch nicht schämten, das offen zu zeigen, aber optimal war das auch nicht.
Gespielt wurden fast alle Hits - das fehlende Hurt zum Schluss hätte bei den meisten Zuhörern aber ohnehin nichts gebracht, da schon Something I Can Never Have, La Mer und The Frail (gute Songauswahl eigentlich, für ein Festival meiner Meinung nach aber allgemein nicht sonderlich gut geeignet) sehr mühsam anzuhören waren. Sehr wenig zu zum Besten gegeben wurde allerdings vom aktuellen Album Year Zero, denn bis auf The Beginning of the End, das eher schwache The Good Soldier und das obligatorische, nun nicht mehr wirklich neue Survivalism waren hauptsächlich Lieder aus der Prä-With Teeth-Ära vertreten, was mich schon ein wenig enttäuschte. Dafür gab's das live gespielt sehr geniale The Wretched zu erleben.
Bewertung: 7 / 10 Punkten

Gods of Blitz
Wieder eine deutsche Band und wieder aus der Indie-Richtung, allerdings stärker darauf fixiert als Fotos und mit mehr britischem Flair. Auch diese machte mit ihrer Musik ordentlich Stimmung, auch wenn die Songs teilweise etwas eintönig sind. Darüber hinweg trösteten aber die sympathischen Bandmitglieder und nette Ansprachen des Frontman, der später sogar richtig abging, als er ein "Nachtclub"-Plakat am Salzburgring entdeckte und nach einer kleinen Moralpredigt zum nächtlichen Anzünden desselben aufforderte, was scheinbar wohlwollend aufgenommen, aber dann doch nicht durchgeführt wurde.
Mehr lässt sich ehrlich gesagt nicht über den Auftritt sagen, gute Musik, nette Stimmung, nichts Weltbewegendes, ein Reinhören ist aber definitiv zu empfehlen.
Bewertung: 6 / 10 Punkten

The Locos
Wow! Die Überraschungsband für mich auf dem Festival! Musikalisch zwar standardisierter Ska-Punk aus Spanien, aber die Südländer verstanden es wirklich, den Wavebreaker zum Kochen zu bringen. Und das nicht nur durch ihre fröhliche, absolut tanzbare Musik, sondern auch mit Hilfe verschiedenster Kostüme und Gadges, die auf der Bühne zur Schau gestellt wurden. Da gab es die mit heißer Luft gefüllte Imitation der amerikanischen Freiheitsstatue - dessen Gesicht jedoch "etwas" abgeändert wurde -, riesige Luftballone, die ins Publikum geworfen wurden und die insgesamt vier Verkleidungen des Frontmans, die verdeutlichten, wogegen sich die (von den meisten wohl nicht verstandenen, weil spanischen) Texte richten: Kirche, Polizei, Oberschicht, nichts Neues im Punk, was man der Band aber gerne verzeiht. Immerhin ging es darum, Laune zu schaffen, und nicht darum die nachdenklichen Gemüter anzuregen.
Dies erreichten die Locos auch sehr gut mit diversen Coverversionen, wie dem allbekanten Song 2 der britischen Indie-Veteranen oder einer spanischen Version von Don't Worry, Be Happy. Dass dabei das Publikum zum Mitsingen aufgefordert wurde, war eigentlich unnötig, da es ohnehin kaum Leute gab, die es nicht taten. Wobei das während einer Stunde des fortwährenden Tanzens irgendwann auch nicht mehr ein Ding von Einfachheit ist.
Bewertung: 10 / 10 Punkten

Fall Out Boy
Auch hier wurde auf der Bühne ordentlich gerockt, besonders der Bassist tanzte, als ginge es um sein Leben, führte eine Piorette nach der anderen durch und begab sich auch schon mal in den Publikumsstrom, um von unzähligen Mädchenhänden abgegriffen zu werden. Sänger und Gitarrist Patrick Stump war aufgrund seiner Doppelfunktion natürlich ans Mikro gefesselt, überzeugte dafür aber mit seiner Stimme, die live kaum schlechter klingt als auf den Studioaufnahmen, was mich zunächst an der Echtheit des Auftrittes zweifeln lies, man dann aber doch gut erkennen konnte, dass der Mann einfach nur singen kann.
Was das Konzert jedoch gehörig trübte waren die Roadies, die ständig auf der Bühne herumwuselten und dies und das richtete. Wurde ein Bierbecher geworfen, den Locos-Frontman Pipi noch liebend gerne aufgefangen hätte, so war hier gleich ein Trupp Mitarbeiter zu sehen, die den Becher mitnahmen, den Boden sauberwischten und dann noch das Verstärkerkabel richteten. Sicherheit schön und gut, aber immerhin ist das Rock 'n Roll (ja, auch trotz lange anhaltendem Emo-Status) und kein Kindergeburtstag, also war die ganze Sache eigentlich ziemlich störend. Ebenso wie der fette Schwarze, der bei diversen Liedern auf der Bühne mittanzte und auch -sang. Witzig, klar, aber eigentlich eher unpassend, das wäre er selbst bei den Eagles gewesen (und nein, nicht aufgrund seiner Hautfarbe).
Somit also ein etwas getrübter Live-Eindruck der amerikanischen Jungs, als dessen Aufwertung man neben der guten musikalischen Leistung das Jackson-Cover und ein kleines Anspielen vom PANIC!-Track I Write Sins Not Tragedy sehen kann.
Bewertung: 8 / 10 Punkten
29.8.07 18:04


Empfehlung der Woche (13.08.2007)


Fear Before the March of Flames: The Always Open Mouth
(2004)

Kommen wir zu einem Album, das ich als eines der besten des letzten Jahres, wenn nicht als eines der besten überhaupt erachten würde.
Ich weiß eigentlich gar nicht, wie man am besten das Genre der auf The Always Open Mouth vorhandenen Musik beschreibt. Im Grunde ist es Hardcore, allerdings mit vielen technischen und spielerischen Variationen, sei es ein bisschen Elektronik hier, ein paar verdrehte Soundeffekte dort und nicht zu vergessen die intelligenten Riffs, die weitab vom Standard-Gitarren- und Schlagzeuggedresche existieren.
Ebenfalls progressiv sind die teils sehr kritischen, teil eher persönlichen Lyrics, die mit Wortgewandtheit und Einfallsreichtum überzeugen können.

So finden sich neben den umschließenden Intro- bzw. Outro-Tracks 13 teils sehr energiegeladene, teils eher anspruchsvoll-emotionalere Lieder, allerdings ohne je aufdringlich oder kitschig zu werden. Ein Kracher jagt den nächsten, und wenn es nach gut 45 Minuten vorbei ist, wird kaum einer die CD ohne Weiteres wieder ins Regal zurück legen.

Anspieltipps: Drowning the Old Hag, Mouth, Lycanthropy
13.8.07 08:37


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